Einführung
Seit seiner Jugend auf Usedom erlebt und interpretiert Günter Niemeyer seine Umwelt durch Beobachtung. Seine grafischen Arbeiten sind Zeugen dieser Beobachtung und auch Zeugen einer Weltansicht, in der jedes Wetter, jede Küste und jeder Tag Bemerkenswertes und Überraschendes in sich hat.
Vita
Geboren 1937 in Berlin, wächst Günter Niemeyer mit seinen Eltern Annelise und Otto Niemeyer-Holstein auf Usedom auf. In den für Alle so belasteten Nachkriegsjahren ist künstlerische Anregung durch die Eltern, deren Freundeskreis und die Umgebung an der See prägend.
Günter Niemeyer by the Sea, 2019 (photo: Greg Niemeyer)
Mit Unterstützung der Eltern Aufbruch nach Berlin. Das Medizinstudium führt von der Humboldt Universität nach Zürich und zum Abschluss mit Dissertation in Hamburg. Die Ausbildung zum Facharzt für Ophthalmologie durchläuft Günter Niemeyer am Universitätsspital Zürich. Von der klinisch– diagnostischen Tätigkeit führt der Weg zu Lehre und Forschung im Bereich der Physiologie der Netzhaut, erweitert durch Forschungsaufenthalte 2 Jahre in den USA, kürzer in Australien und in Japan.
Die engagierten Berufsjahre sind begleitet von Bleistift, Aquarell, Papier, Nadel, Kupferplättchen und dem Schauen. Berufsbegleitend erhielt Günter Niemeyer Anregung und wertvolle Unterweisung in den die Techniken der Radierung und des Kupferdrucks bei dem Zürcher Maler Karl Guldenschuh (1928-1991). Drucktechnisches vermittelten Heidi Weber, Gabriela Seiler, Ernst Lau, und Klaus Born.
Dankbar erinnert er frühe kritische Anregung durch Otto Niemeyer–Holstein, stets neue Impulse durch die Söhne Gregory und Christopher, von Joachim John †, Inspiration von der Zusammenarbeit mit Ulrike Mayer, Liechtenstein, und kontinuierlicher Austausch mit dem Zürcher Malerfreund Remo Roth. Die Passion für das Radieren - neben der Tätigkeit an der Universität - hat Günter Niemeyer seit 1965 angetrieben und begleitet, um nun in der eigenen Werkstatt mit Kupferdruck Presse in den Techniken des Tiefdrucks und des Holzschnittes intensiv weiterzuarbeiten, weiter zu suchen. Ausgangspunkt bleibt die Anschauung, das Erleben einer Situation, der Landschaft, der Küsten und Meere.
Du musst wissen, dass für sämtliche Ausflüge von Dir in unbekannte künstlerische Welten, das höchste Gut Deine Neugier ist. Du hast die Kraft (natürlich nicht immer), mit Neugier wieder anzufangen, einfalls- und erfindungsreich.
Gudrun Schmidt, 2022
Zum Handwerk
Épreuve d’artiste: Niemeyer unterzeichnet Grafiken (Tiefdrucke von Kupfer- oder Zinkplatten) meistens mit E.A., für „Épreuve d’artiste“: einzelne Zustände / Probedrucke. Im Gegensatz dazu sind kleine Auflagen einer Arbeit nummerierte, fast identische Drucke.
Hochdruck: Eine der ältesten und grundlegendsten Drucktechniken in der Kunst, die vor allem im Holz- und Linolschnitt Anwendung findet. Dabei handelt es sich um ein Reliefdruckverfahren, bei dem die erhabenen Teile der Druckplatte die Farbe an das Papier abgeben, während die vertieften Stellen keine Farbe aufnehmen und somit weiß bleiben. Der Hochdruck zeichnet sich durch seine einfache Handhabung und seine direkte Wirkung aus, was ihn zu einem beliebten Medium für Künstler aller Zeiten gemacht hat.
Kupferdruckpapiere: Zerkall, BFK Rives, Hahnemühle, Velin.
Masse: Höhe x Breite in cm.
Mehrfarbendruck: Druckplatten werden mit verschiedenen Druckfarben eingefärbt und nacheinander auf das gleiche Papier gedruckt. Dabei entstehen subtile Farbübergänge in den Zwischentönen. Eine einzelne Druckplatte kann auch in verschiedenen Bereichen mit einzelnen Farben eingefärbt werden.
Radierung: bezeichnet verschiedene Tiefdrucktechniken wie Kaltnadel, Strichätzung, Aquatinta. Farbige Arbeiten sind von einer oder mehreren Platten gedruckt.
Niemeyer verwendet folgende Radiertechniken, oft in Kombination miteinander:
Kaltnadel
Strichätzung
Aquatinta (Flächen- oder Tonätzung)
Direkt- oder Pinselätzung, spit bite
Aussprengverfahren (Reservage)
Vernis moux (Weichgrundätzung)
Mezzotinto (Schabetechnik)
Carborundum
Kupferdruckpresse in der Werkstatt, 2001
Tiefdruck: Ein Druckverfahren, bei dem die druckenden Bereiche vertieft in die Druckplatte eingearbeitet werden. Die Farbe sammelt sich in diesen Vertiefungen, während die erhabenen Teile der Platte beim Druckvorgang farbfrei bleiben. Das Papier wird durch hohen Druck in die Vertiefungen gepresst, wodurch die Farbe übertragen wird. Tiefdruck zeichnet sich durch feine Linien, große Detailgenauigkeit und reiche Tonabstufungen aus.